Samstag, 5. November 2016

Das geistige Alter

In diesem Beitrag geht es um Reife, Sex und Seife.

"Man ist so alt, wie man sich fühlt", ist natürlich ein Satz, den sich nur Hohlköpfe trauen, laut auszusprechen, Leute, denen die natürliche Angst vor Allgemeinplätzen fehlt (ist doch eine natürliche Angst, oder!). Trotzdem ist es wohl wahr, dass man sich nicht immer so alt fühlt, wie man ist - was immer jedwedes Alter einem auch für Gefühle auftischen mag. Ich finde 24 ein schwieriges Alter. Man ist aus dem Gröbsten raus, aber noch nicht ganz darüber hinweg. Die Teenagerzeit nagt noch ein kleines bisschen an den Nerven und die Gedanken ans ganz-erwachsen-werden (so mit 30 oder so) lassen sich noch relativ einfach aufschieben.


Auch hin und wieder noch kindisch: Sandra Meier, 27, Bürokauffrau

Als Kind mochte ich Seife, die Tierformen hatte. Jetzt mag ich Seife, die aus dem Spender schäumt, als würde man Milchschaum aus einer Maschine pressen. Manchmal gehe ich in Einkaufscentern einzig und allein deshalb in die Toilette, um diese Seife auf meine Hände zu schmieren. Ist ja auch nicht gerade unkindisch.
Meine beste Freundin hat geheiratet - sie ist ein Jahr jünger als ich. Mein bester Freund ist 15 Jahre älter als ich und betreibt einen eigens lancierten Hobbyharem. Ist einer von ihnen nun weniger erwachsen als der andere? Je ne sais pas.
Unlängst hat mich an der Tramstation ein schätzungsweise 300 Jahre alter Mann zu einem Paartanz aufgefordert (ich glaube, er war nicht betrunken). Ich fand seine Dynamik zwar rührend, aber es war mir dann doch etwas unangenehm, zumal mein Knie seit Neustem höllisch schmerzt.



Als Kind gab es für mich nichts Schöneres als Eisstände. Heutzutage eigentlich auch nicht. Leider wurden die alle längst von Marroniständen abgelöst, welche ich noch nie leiden konnte. Mit 9 dachte ich, mit 16 hätte ich vielleicht schon einen Mann und Kinder. Das ist mir zwar nicht gelungen, dafür darf ich mir aber nun offiziell eingestehen, dass mir ein anderer Traum gelungen ist, und zwar den, ein Buch zu veröffentlichen. Okay, Publikationstermin ist der 1.3.2017, aber immerhin steht er fest. 

Ich bin glücklich! Und gleichzeitig verstört. Alles ging so schnell. Und wenn ich daran zurückdenke, dass ich erste Teile des Romans mit 19 begonnen habe zu schreiben, dann kommt mir das richtig seltsam vor, als stecke ich in einer Zwischenzeit oder würde auf ein anderes Ich blicken, das von einem andern Planeten aus irgendwelche Outputs in mein Leben streut und von mir verlangt, dass ich sie in meine Alltagsgestaltung einbaue. Irgendwie so. Oder auch anders. Jedenfalls bin ich auch nervös, denn ich weiss, dass viele Fragen auf mich zukommen werden. Viele Fragen über Sex. Vielleicht auch ein paar wenige über den Tod (um den geht es nämlich EIGENTLICH in der Geschichte). Vielleicht eine Frage zu Oskar.  Aber Sex, darauf muss ich mich gefasst machen, wird mir auf jeden Fall als Ausgangsinteresse vorgeworfen werden, und auch wenn ich hoffe und auch noch einigermassen zuversichtlich denke, dass ich das werde handeln können, werde ich mir doch vorab ein paar Gedanken darüber machen müssen, wie ich dem Ganzen begegnen werde.

Jänu. Kommt Zeit, kommt Rat. Ich zähle auf dich, 2017.






Kommentare:

  1. Glückwunsch zum Buch. Ich werde es kaufen- versprochen!
    Sind die Zeichnungen von dir?
    Ich bin jetzt 47. Ich weiß die Sätze sind immer unheimlich toll, aber bitte feier deine 20er! Das ist die geilste Zeit überhaupt- und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine. Und deine nächsten 24 werden viel schneller vergehen als die ersten. Also, genieß es!
    Als Frau ist es vielleicht schwerer, aber zum Thema Sex: gehört fast wie essen und trinken zum Leben, jeder macht's, deshalb kann auch jeder ganz offen drüber sprechen, finde ich.
    Übrigens, ich fühle mich immer noch nicht erwachsen, wie gesagt ich bin 47...
    Erinnere nochmal, wenn dein Buch draußen ist! LG

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  2. Lieber Adam, herzlichen Dank für deine lieben Worte - und dafür, dass du mein Buch kaufen willst. Ich sehe das wie du: über Sex sollte man offen sprechen können. Darum tue ich das auch. Leider ist es einfach immer noch ein gefundenes Fressen für viele - gerade medial geprägte - Menschen, um einen abstempeln zu können als skandalöse Rotzgöre, oder so.
    We will see :) Ich bleibe optimistisch!

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  3. Ich glaube in diesem Bericht findet sich jeder wieder. Ich bin jetzt 40 und stehe auch manchmal zwischen 2 Stühlen und weiß nicht genau, wo ich hingehöre. Ich fühle mich nicht alt, anderseits denke ich, dass ist duch nur was für Junge. LG Romy

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  4. Liebe Laura, soeben bin ich mit «Sweet Rotation» fertig geworden. Ich habe das Buch verschlungen. Ich liebe deine Art zu schreiben. Ich fühlte mich eins mit Anna, Mira, Irma und Laura. Obwohl ich ein Mann und wesentlich älter bin. Du hast es fertig gebracht, mich zu fesseln, zu berühren und einmal mehr über Beziehungen, Sex und das Altern nachzudenken. Was bedeutet es, jung zu sein? Was verändert sich wirklich, wenn man altert? Ist es wahr, dass jeder sein Leben in die Hand nehmen kann und das leben kann, was er will, was zu ihm gehört? Mir kommt es so vor, dass man erst realisiert, wie das funktionieren könnte und wie wichtig das wäre, wenn man alt ist. Das mutet mich tragisch an. Und ich werde von jungen Erwachsenen nicht mehr auf Augenhöhe wahrgenommen. Ich vermisse den offenen, ehrlichen Austausch, auch auf körperlicher Ebene. Nicht erst seit diesem Buch frage ich mich, wie sich das anfühlen könnte, wenn ich dafür bezahlen würde.

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Dies ist der Blog von Laura Wohnlich. Sie schreibt, macht aber auch andere Dinge. Auf diesem Blog geht es um Kunst, Literatur, Poesie, Politik und ganz gerne auch mal einfach nur darum, die Seele baumeln zu lassen. Auf diesem Blog geht es darum, "den Helden in sich zum Vorschein zu bringen". Man kann noch lange darauf warten, dass Hero auf irgendwas angeritten kommt und einem das Leben zurechtrückt. Sei dein eigener Held und reiss dem Deppen der glaubt, er wisse es besser als du, die Zügel aus der Hand!